Die Fröbel Villa – einst ein Symbol und Sinnbild von Eleganz und zeitgenössischer Moderne für den Welterfolg der Weltspielzeugstadt Sonneberg – heute ein Symbolbild eines längst vergessenen Zeitalters.
Der Berliner Architekt Paul Weber erbaute im Jahr 1915, damals noch im kaiserlichen Deutschland unter Kaiser Wilhelm II., die Villa für den Sonneberger Spielwarenfabrikanten Otto Fröbel und dessen Familie im prachtvollen neobarocken Stil.
Die Legende besagt, dass der Spielwarenfabrikant Otto Fröbel das Haus mit sämtlichen modernen „Spielereien“ seiner Zeit für seine Tochter, die nach Amerika auswandern wollte, erbauen ließ um diese zum Bleiben zu überreden.


Zur damaligen Zeit dürfte es nicht viele Wohnhäuser gegeben haben, die über eine zentrale Staubsaugeranlage, eine eigene Telefoneinrichtung und über Elektrizität in jedem Zimmer verfügt haben. Für die zentrale Staubsaugeranlage wurde sogar ein eigener Raum im Keller errichtet in welchem der Kompressor, auf einem Podest stehend, seine Arbeit verrichtete. Anschlüsse für die Saugrohre gab es auf jeder Etage, die bis heute erhalten werden konnten. Dies galt in dieser Zeit als eine bemerkenswerte moderne technische Ausstattung einer privaten Immobilie.
Nicht nur technisch auch architektonisch konnte Paul Weber seiner Zeit mit der Umsetzung seiner Planung glänzen. Das charakteristische neubarocke Krüppelwalmdach und der im Erdgeschoss befindliche Rundbau an der Südfassade mit Lichteinfall und der darauf befindliche Balkon waren das Highlight des Ensamble.
Dieser architektonische Akzent verleiht dem Gebäude eine einzigartige Note und schafft einen harmonischen Übergang zwischen Innen -und Außenbereich.
Abgesehen davon das jede Etage ein voll ausgestattetes Badezimmer und eine Küche hatte, konnte die Villa so insgesamt mit vier Badezimmer und vier Küchen auftrumpfen. Dies war zu dieser Zeit für „Normalsterbliche“ undenkbar.


Im Dachgeschoss, in der ehemaligen Gesindewohnung, findet sich ein weiteres Relikt vergangener Zeiten: Ein manueller Holzspalter, an einem Dachbalken befestigt. Die zentrale Heizungsanlage, welche mit Holz beheizt wurde, erwärmte nämlich nur die Etagen, in denen die Eigentümer wohnten. Die Etage in der das Personal wohnte, musste noch mühselig mit Holz geheizt werden.
Außerdem scheint Otto Fröbel ein Naturliebhaber gewesen zu sein. Eine gemauerte Vogeltränke im Garten mit eigenem Wasseranschluss ist eine weitere Besonderheit neben den vielfältigen Pflanzen-und Baumarten die, genau wie die imposante Villa, unter Denkmalschutz stehen. Neben den erhaltenen Stuckdecken und dem holzvertäfeltem, hallenartigem Treppenhaus konnten bis heute die handgedrechselten Holzsäulen, die das Vordach des Haupteinganges zieren, erhalten bleiben. Eine Handwerkskunst, die zur damaligen Zeit in Privathäusern nur selten anzutreffen war.
Eine massive Holzeingangstür mit einer zusätzlichen Sicherung aus Gittereisen, sollte in unruhigen Zeiten der Familie Schutz und Sicherheit bieten.


Es ist bekannt, dass das Haus mit der Nummer 45 nach Kriegsende 1945 durch die amerikanische Kommandantur eingenommen wurde und diese beherbergte. Somit wehte kurze Zeit die amerikanische Flagge in der „Schönen Aussicht“. Nachdem die Siegermächte Deutschland in Besatzungszonen aufteilten, war klar, das die amerikanische Armee sich aus Sonneberg und Thüringen zurückziehen musste und gab im Juli 1945 die Villa im Besatzungswechsel frei.
Gut 50 Jahre nach Kriegsende fand die Villa wieder ihren Weg zurück in Privathände und wurde aufwändig und liebevoll unter Erhalt der vorhandenen Zeitzeugen saniert.
Somit erzählen die 110 Jahre alten Treppen und Fußbodendielen, der Parkettboden und die altgewachsenen Bäume ihre ganz eigene Geschichte in und um das Haus herum.
Genau 110 Jahre nach Erbauung konnte diese wunderschöne Villa wieder zum Leben erweckt werden und wird im Sinne des Erbauers weiterhin für Eleganz und Einzigartigkeit stehen und noch viele Jahre ihre Bewunderer in ihren Bann ziehen.
In diesem Jahr kauft die A&S Pflegedienst GmbH die Immobilie und haucht dieser mit einer Senioren-Tagespflege und einem ambulanten Pflegedienst wieder neues Leben ein.

Und auch hier wird die Geschichten ihr Ende nicht finden.

